5. Dezember 2017

Es lohnt, sich um alle zu kümmern!

Auch 2018 stehen Menschen mit wenigen Chancen im Fokus des Jobcenters 

Voraussichtlich stehen dem Jobcenter Region Hannover 2018 weniger Mittel für Eingliederungsleistungen als 2017 zur Verfügung. Trotz knapper Kassen investiert das Jobcenter 2018 weiterhin viel in die Förderung derjenigen Menschen, die wenige Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Das Jahr 2017 hatte für das Jobcenter Region Hannover mit unerwarteten Herausforderungen begonnen. Vom Bund gab es weniger Geld als erwartet. Deshalb mussten die Verantwortlichen ihre Planungen anpassen. „Im Laufe des Jahres hat sich die Situation deutlich entspannt. Wir brauchten weniger einzusparen, als  erwartet“, sagt Michael Stier, Geschäftsführer des Jobcenters Region Hannover. „Einige Angebote wie die Arbeitsgelegenheiten haben wir zusätzlich noch aufgestockt. Insgesamt konnten wir alle Menschen in diesem Jahr ausreichend fördern.“

Die Förderung des Jobcenters kommt bei vielen Menschen an“, stellt Heike Döpke, stellvertretende Vorsitzende der Trägerversammlung des Jobcenters, fest. „Die gute Konjunktur auf dem Arbeitsmarkt unterstützt diese Entwicklung.“ In den ersten sechs Monaten diesen Jahres haben 8.262 Leistungsberechtigte des Jobcenters eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen. Davon waren 4.031 Langzeitleistungsbezieher, also Arbeitsuchende, die in den letzten zwei Jahren mindestens 21 Monate Arbeitslosengeld II bezogen hatten. 31.165 Arbeitslosengeld II-Empfänger waren Ende November arbeitslos gemeldet, 1.986 weniger als im November 2016. Von Ihnen waren 16.514 langzeitarbeitslos, also ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet. Das sind 756 weniger als im Vorjahr.

Besonders freut Michael Stier, dass die Integration in den Arbeitsmarkt oft nachhaltig gelingt. Denn über sechzig Prozent der Langzeitarbeitslosen in der Region Hannover, die eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen, sind nach zwei Jahren immer noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Das zeigt uns: es lohnt, sich um alle zu kümmern! Auch um diejenigen, die scheinbar weit weg sind vom Arbeitsmarkt. Entscheidend ist die Motivation.“

Außerdem fanden im ersten Halbjahr rund 750 Leistungsberechtigte aus den acht häufigsten Asylherkunftsländern eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. „Bei der Integration der Flüchtlinge sehen wir Anfangserfolge, die Mut machen“, sagt Erwin Jordan, Vorsitzender der Trägerversammlung des Jobcenters Region Hannover. „Es bleibt in den allermeisten Fällen aber eine langfristige Aufgabe. Allein die notwendigen Sprachkenntnisse zu erwerben dauert seine Zeit.“ Die Zahl der Menschen aus den acht häufigsten Asylherkunftsländern ist 2017 weiter gestiegen. Im Juli 2017 bezogen 19.521 Menschen aus diesen Ländern Leistungen vom Jobcenter Region Hannover. Das sind 6.756 mehr als im Juli 2016.

Die Schwerpunkte der Arbeit im Jobcenter bleiben 2018 dieselben wie in diesem Jahr: Langzeitbezieher, Jugendliche, Flüchtlinge und Familien. „Trotz guter Konjunktur und hohem Bedarf an Fachkräften haben viele Menschen immer noch geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Heike Döpke. „Die Gründe sind vielfältig: fehlende Qualifikation, mangelnde Sprachkenntnisse, gesundheitliche Einschränkungen, schwierige familiäre Situation – oft liegen auch mehrere Gründe auf einmal vor. Da setzen wir mit frühzeitiger Beratung und Aktivierung an. Es zeigt uns aber auch, wie wichtig es ist, vorbeugend zu arbeiten und dabei die gute Arbeitsmarktsituation zu nutzen. Fachkräfte sind schwer zu finden, daher versuchen wir Personen in Beschäftigung zu halten und zur Fachkraft zu qualifizieren. Auch dadurch beugen wir Langzeitarbeitslosigkeit vor.“

Um komplexe Lebenssituationen begegnen zu können, setzt das Jobcenter immer stärker auf einen Mix der Angebote. „Wir kombinieren viele unserer Maßnahmen mit Sprachunterricht in Teilzeit. In den Jugendwerkstätten wollen wir künftig psychotherapeutische Beratung anbieten. Und unsere Maßnahmen sind eng vernetzt mit Beratungsangeboten der Region Hannover, wie der Schuldner- und Suchtberatung“, sagt Michael Stier.

Allerdings muss das Jobcenter Region Hannover auch 2018 wieder Gelder für Eingliederungsmaßnahmen verwenden, um die Verwaltungskosten zu decken. Zwar gibt der Bund nach aktueller Planung im kommenden Jahr rund drei Millionen Euro mehr für die Verwaltung aus. Die Mittel reichen aber nicht, um die Ausgaben für Gebäude, Technik und Personal zu decken. Allein höhere Tarife und Mieten sowie die Einführung der elektronischen Akte in 2018 brauchen die zusätzlichen drei Millionen auf. Nach derzeitiger Planung müssen etwa 22 Millionen aus dem Haushalt für Eingliederungsmaßnahmen in den Verwaltungshaushalt gehen. Das sind 1,4 Millionen mehr, als in diesem Jahr umgeschichtet werden musste. „Seit Jahren fordern wir einen Verwaltungshaushalt, der den tatsächlichen Anforderungen entspricht“, sagt Erwin Jordan. „Diese Situation ist nicht haltbar.“

52,5 Millionen Euro stehen im kommenden Jahr für Eingliederungsleistungen zur Verfügung. Das sind rund sechs Millionen Euro weniger als 2017. Für neue Maßnahmen steht mit 22,9 Millionen Euro 2018 etwas mehr Geld zur Verfügung wie 2017. „Bei unserem Förderangebot nutzen wir auch andere Geldquellen, zum Beispiel Programme des Bundes. Deshalb kommen wir mit dem Geld hin, so wie 2017 auch“, sagt Michael Stier. „Wir hätten aber gerne mehr finanzielle Spielräume, um eigene Ideen weiter voranzubringen.“

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