30. September 2016

Mehr Unterstützung für Haftentlassene mit Suchterkrankung

Justizvollzug schließt Vereinbarung mit Jobcenter und Krankenkasse

Strafgefangene der Justizvollzugsanstalten Hannover und Sehnde, die an einer Drogenersatztherapie teilnehmen, sollen nach ihrer Haftentlassung nahtlos eine Anschlusstherapie erhalten. Dazu haben beide Justizvollzugsanstalten mit dem Jobcenter Region Hannover und der AOK Niedersachsen eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Ziel ist, den Rückfall in Drogenkonsum und Straffälligkeit zu vermeiden und die berufliche und soziale Eingliederung zu fördern.

„Es ist wichtig, dass wir Strafgefangene mit Suchterkrankung nach ihrer Haftentlassung auffangen, damit sie nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen“, sagt Birgit Jung, Mitglied der Geschäftsführung im Jobcenter Region Hannover. „Es braucht eine stabile Lebenssituation, um überhaupt an berufliche Integration denken zu können. Dazu gehört natürlich die finanzielle Grundsicherung und eine gesicherte Therapie.“

Jedes Jahr verlassen zwischen 30 und 50 Strafgefangene die beiden Justizvollzugsanstalten in der Region während einer laufenden Drogenersatztherapie. Um für sie einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, haben die Beteiligten ihre Leistungen jetzt verbindlich aufeinander abgestimmt. Die Justizvollzugsanstalten helfen den Betroffenen, einen Therapieplatz zu finden und rechtzeitig vor der Entlassung Arbeitslosengeld II zu beantragen. Die AOK Niedersachsen erstellt vorab einen Behandlungsschein, der die Anschlusstherapie und weitere medizinische Leistungen ermöglicht. Das Jobcenter Region Hannover stellt sicher, dass die Betroffenen direkt nach der Haftentlassung dort persönlich vorsprechen können. Bei diesem Termin erhalten sie den Behandlungsschein der Krankenkasse und bei Anspruch den Bewilligungsbescheid für ihr Arbeitslosengeld II.

An der Vereinbarung haben die Drogenbeauftragten von Region Hannover und der Landeshauptstadt Hannover mitgebarbeitet. „Das ist aus meiner Sicht ein hervorragendes Modell für eine gelungene Schnittstellenarbeit, das bundesweit als Vorbild dienen kann“, sagt Uwe Blanke, Psychiatriekoordinator und Drogenbeauftragter der Region Hannover.

Die beteiligten Institutionen laden ausdrücklich alle übrigen Krankenkassen ein, dieser Vereinbarung formlos beizutreten.

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