4. Oktober 2016

Jobcenter wirbt dafür, Bewerber mit Behinderung einzustellen

Zentrale Stelle bietet spezielle Beratung und Förderung für Betriebe an  

Angesichts der Diskussion um Fachkräftemangel wirbt das Jobcenter Region Hannover dafür, allen Bewerbern eine Chance zu geben. Vor allem das Potential von Menschen mit Behinderung bliebe auf dem Arbeitsmarkt oft ungenutzt, so Birgit Jung, Mitglied der Geschäftsführung im Jobcenter Region Hannover. Seit einem Jahr unterhält das Jobcenter deshalb eine zentrale Ansprechstelle, die Betriebe in der Region bei Einstellung von Menschen mit Behinderung berät und gegebenenfalls finanziell fördert. 

Seit September dieses Jahres ist Birgit Jung neues Mitglied der Geschäftsführung im Jobcenter Region Hannover. Ein Schwerpunkt ihrer neuen Aufgaben ist die Arbeitsvermittlung. „Wenn derzeit von Fachkräften und Fachkräftemangel die Rede ist, herrscht oft ein idealtypisches Bild der Bewerberinnen und Bewerbern vor“, sagt Birgit Jung. „Dieser Bewerbertypus kommt in vielen Branchen aber immer seltener vor. Die gute Nachricht ist, dass wir auf dem Arbeitsmarkt einen großen Pool an motivierten Bewerberinnen und Bewerbern haben, die noch auf ihre Chance warten.“ Die Beschäftigungssituation von Menschen mit Behinderung in der Region habe sich trotz verbesserter Arbeitsmarktlage in den vergangenen Jahren leider kaum verändert. Eine unglückliche Situation, findet Birgit Jung, „für Bewerber und Betriebe gleichermaßen“. Denn ein Mensch mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen könne anspruchsvolle Arbeit leisten, wenn die Tätigkeit den Fähigkeiten entspräche. „Wir wissen natürlich, dass es gerade für kleine und mittelständische Betriebe eine Herausforderung sein kann, solche Bewerber den Fähigkeiten entsprechend einzusetzen“, sagt Birgit Jung. Deshalb biete das Jobcenter Region Hannover spezielle Beratung und Förderung an, damit Bewerber und Arbeitgeber in der Region zueinanderfinden.

In der Lützerodestraße 11 im Stadtteil List arbeiten seit Oktober 2015 rund 30 Beschäftigte des Jobcenters im Beratungs- und Integrationscenter, abgekürzt BIC. Sie sind besonders ausgebildet in der Beratung und der Begleitung von Arbeitsuchenden mit gesundheitlichen Einschränkungen. Leistungsberechtigte aus dem Umland, die aus gesundheitlichen Gründen nicht ins BIC kommen können, werden weiterhin vor Ort beraten. Rund 4000 Menschen begleitet diese spezielle Dienststelle derzeit. Das Beratungs- und Integrationscenter ist neben dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Agentur für Arbeit und Jobcenter gleichzeitig Ansprechpartner für Betriebe, die das Potential dieser Bewerbergruppe nutzen möchten. Das BIC bietet dazu neben der Beratung eine Vielzahl an Förderinstrumenten an. Dazu gehört die Möglichkeit des Probearbeitens ebenso wie passgenaue Qualifizierung und finanzielle Förderung der Einstellung.

Rainer Göbel, Leiter des Beratungs- und Integrationscenters zieht eine erste positive Bilanz: „Nach einem Jahr BIC zeigt sich, dass unsere Angebote es den Betrieben erleichtert, sich für eine Bewerberin oder einen Bewerber zu entscheiden. Wir sehen, dass die Einarbeitung manchmal etwas mehr Zeit kostet, sich aber letztlich für das Unternehmen auszahlt. Deshalb wünschen wir uns, dass noch mehr Betriebe unsere Angebote und das Potential unserer Bewerberinnen und Bewerber nutzen. Inklusion auch in der Arbeitswelt umzusetzen ist und bleibt gerade für die Zukunft ein wichtiges Thema. “

Frederick Schäfer ist Geschäftsführer des „Rodizio Baumhaus“ in Langenhagen. Der Gastronom ist immer wieder auf der Suche nach guten Mitarbeitern. Die sind in der Gastronomie häufig schwer zu finden. Mit seinem neuen Mitarbeiter Christian ist er sehr zufrieden. Christian passt gut ins Team, ist zuverlässig und macht in der Küche einen guten Job. Er ist immer motiviert, hat aber eine Lernschwäche, weswegen er eine Ausbildung mit weniger Theorieanteil absolviert hat. Danach fand er längere Zeit keinen Job, der seiner Ausbildung entsprach. Mit Unterstützung des Beratungs- und Integrationscenters fand Christian schließlich seinen Weg ins Rodizio Baumhaus. "Anfangs war ich mir unsicher, auf diesem neuen Feld zu rekrutieren. Ich befürchtete einen möglichen Papierkrieg und lange Einarbeitungszeiten“, sagt Frederick Schäfer. Heute ist er zufrieden, die Unterstützung des Jobcenters angenommen zu haben. „Rückblickend kann ich aber sagen, dass ich froh bin, einen so guten und loyalen Mitarbeiter wie Christian gefunden zu haben."

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