20. Juli 2016

Jobcenter will Wartezeit der Flüchtlinge sinnvoll nutzen

Grund zum Optimismus: oft gute Grundlagen für berufliche Qualifizierung vorhanden 

Flüchtlinge brauchen schnell eine berufliche Perspektive und einen Einstieg in die Arbeitsmarktintegration. Die Zeit bis zur Entscheidung über den Asylantrag bietet viele Möglichkeiten, um die Kompetenzen und den Förderbedarf der Menschen zu ermitteln. Diese Chance will das Jobcenter Region Hannover gemeinsam mit der Agentur für Arbeit nutzen, um Flüchtlinge unverzüglich und entsprechend ihres Potentials fördern zu können. Schließlich sind Flüchtlinge, denen ein Bleiberecht zuerkannt wird, dann in der Regel auf Leistungen vom Jobcenter angewiesen.

„Im Jobcenter erleben wir die geflüchteten Menschen als sehr motiviert. Die Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, wollen schnellstmöglich die deutsche Sprache erlernen, um arbeiten oder eine Ausbildung machen zu können“, sagt Dietmar Langer, Mitglied der Geschäftsführung des Jobcenters Region Hannover. „Deshalb ist es wichtig, dass wir so schnell wie möglich klären, welche Fähigkeiten, aber auch welche Interessen, die Menschen mitbringen. So können wir planen, welche Förderung sie von uns brauchen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.“

Solange der Asylantrag noch nicht entschieden ist, begleitet die Agentur für Arbeit die Arbeitsmarktintegration der Asylbewerber. Sind sie als Flüchtling anerkannt, haben sie Anspruch auf Leistungen zur Grundsicherung vom Jobcenter, sofern sie mittellos sind. Das träfe auf den überwiegenden Teil der geflüchteten Menschen zu, so Dietmar Langer. Deshalb sei es für das Jobcenter sinnvoll, bereits während des laufenden Anerkennungsverfahrens Kontakt zu denjenigen zu suchen, die gute Aussichten auf ein Bleiberecht hätten.

Das Jobcenter Region Hannover ergänzt die bestehenden Angebote der Agentur für Arbeit durch flankierende Erstberatung der Flüchtlinge direkt in den Unterkünften. Ziel ist, sprachliche und berufliche Kompetenzen festzustellen und Flüchtlinge in geeignete Förderangebote zu vermitteln, zum Beispiel in Integrations- und Sprachkurse oder Maßnahmen zur Arbeitsmarktorientierung. Des Weiteren wird ein möglichst reibungsloser Übergang der anerkannten Asylbewerber vom Asylbewerberleistungsgesetz in die Grundsicherung sichergestellt.

Bei den Beratungsangeboten greift das Jobcenter auf die Erfahrungen externer Partner zurück. Insgesamt 14 Träger der freien Wohlfahrtspflege führen 18 Projekte an verschiedenen Standorten durch. Die Projektträger nehmen selbst Kontakt zu den Flüchtlingen auf. Oft kommen die Teilnehmer auch über „Mundpropaganda“ zur Beratung. Die Zahl der begleiteten Personen in den Projekten liegt derzeit durchschnittlich bei jeweils 60. Das Hamburger Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe begleitet das Projekt und wertet später die Ergebnisse aus.

Ein halbes Jahr nach Start der ersten Projekte sieht das Jobcenter viel Grund zum Optimismus. Rund 1.100 Menschen, 85 Prozent davon sind männlich und die Hälfte von ihnen unter 25 Jahren, haben das Beratungsangebot bislang wahrgenommen. Fast alle der Teilnehmer sprechen kein oder nur sehr wenig Deutsch. Nur knapp 20 Prozent haben in ihrem Heimatland einen Berufsabschluss erworben oder ein Studium abgeschlossen. Auf der anderen Seite gaben aber zwei Drittel der begleiteten Menschen an, einen Schulabschluss zu haben.

Dennoch ist festzustellen, dass die weit überwiegende Anzahl der Flüchtlinge über berufspraktische Erfahrungen verfügt, vor allem im gewerblich-technischen Bereich. „Bei der Mehrheit der Flüchtlinge bieten die Motivation in Kombination mit den berufspraktischen Erfahrungen eine gute Grundlage für eine weitergehende berufliche Qualifizierung“, ist Dietmar Langer zuversichtlich. „Jetzt kommt es darauf an, dass sich an die Beratung schnellstmöglich Sprachförderung und Bildungsangebote anschließen.“

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