Ausbildung

Azubimangel? Das Jobcenter kann helfen!

Zum 1. August hat das neue Ausbildungsjahr angefangen. Auch in diesem Jahr sind viele Ausbildungsplätze in der Region Hannover noch unbesetzt. Dabei gibt es in der Region Hannover ein großes Potential an geeigneten Azubis. Das Jobcenter kann weiterhelfen.


Zum 1. August haben Yaman, Ansgar und Ulf ihre Ausbildung in der Region Hannover angefangen. Sie haben unterschiedliche Lebensläufe, aber drei Dinge haben alle drei gemeinsam. Erstens: ihre Betriebe freuen sich, sie zu haben. Jeder Azubi trägt dazu bei, den Fachkräftebedarf und damit auch die Zukunft der Unternehmen in der Region zu sichern. Zweitens: anders als viele Azubis sind sie keine Jugendlichen mehr. Yaman ist 28, Ansgar 34 und Ulf 36 Jahre alt. Drittens: Sie haben den Ausbildungsbetrieb über das Jobcenter Region Hannover gefunden.


Großes Potential in der Region

„Immer mehr Betriebe geben an, dass sie keine geeigneten Bewerber für eine betriebliche Ausbildung finden“, sagt Rainer Göbel, Mitglied der Geschäftsführung im Jobcenter Region Hannover. „Gleichzeitig gibt es aber in der Region Hannover ein großes Potential an motivierten, intelligenten und vor allem leistungsbereiten Menschen, die einen Berufsabschluss machen möchten – und können.“ Das beträfe vor allem vier Gruppen: Flüchtlinge, Eltern mit kleinen Kindern, Studienabbrecher und ungelernte Hilfskräfte. „Gerade Bewerber aus diesen Gruppen bringen oft viel Lebens- und Berufserfahrung mit in den Betrieb“, sagt Rainer Göbel.


Zehn Jahre Erfahrung in der Küche

Yaman zum Beispiel hat über zehn Jahre als Koch in Syrien und im Libanon gearbeitet. Er kam 2015 aus Syrien als Flüchtling nach Deutschland. Jetzt macht er eine Ausbildung zum Koch im Sterne-Restaurant „Ole Deele“ in Burgwedel. Über eine Maßnahme des Jobcenters für junge Flüchtlinge hatte er zunächst dort ein Praktikum gemacht. „Wir bekamen einen Anruf vom Maßnahmeträger, ob wir einen Flüchtling als Praktikanten nehmen würden. Da haben wir uns gedacht: Probieren wir’s!“, erzählt Küchenchef Benjamin Gallein. „Er hat sich wirklich gut angestellt.“ Also verlängerte das Restaurant das Praktikum zunächst auf sechs Wochen. Und beschloss schließlich, zum ersten Mal selbst auszubilden.


Belastbar und motiviert: Yaman (links) mit Küchenchef Gallein.


Mit 28 ganz anders belastbar

Die Gründe: „Der Markt ist mit Köchen nicht gerade übersättigt. Da bilden wir lieber selber aus“, erklärt Benjamin Gallein. Dass Yaman einige Jahre älter ist sieht der Küchenchef eher als Vorteil: „Er ist mit 28 ganz anders belastbar als ein 16-jähriger. Er bringt alles mit: Lust auf die Arbeit, Lust auf das Arbeiten im Team. Er nimmt Entbehrungen in Kauf.“ Schwierigkeiten mit religiösen Speisevorschriften gäbe es keine. Die einzige Schwierigkeit seien die fehlenden Deutschkenntnisse. Deshalb hat der Betrieb gemeinsam mit dem Jobcenter vereinbart, dass Yaman vor der Ausbildung eine Einstiegsqualifizierung, also ein verlängertes Praktikum, im Betrieb absolviert. Trotzdem: „Die Ausbildung wird hart für ihn, vor allem wegen der Sprachkenntnisse“, prognostiziert der Küchenchef. Yaman lässt sich davon nicht beeindrucken. Inzwischen hat er sich auch auf die deutsche Küche eingelassen. Was gefällt ihm am besten? „Spargel und Rhabarber“, sagt Yaman.


Technik die begeistert

Ulf hat schon immer gearbeitet. Auch als er noch studiert hat. Erst als eine Verletzung ihn zu einer längeren Pause zwang, verlor er den Anschluss. Er wechselte das Studienfach. Die Noten stimmten, zufrieden war er nicht. „Mir hat gefehlt, abends zu sehen, was ich gemacht habe.“ Er beendete das Studium und arbeitete zunächst in der Zeitarbeit. Schnell merkte er, dass seine Perspektiven da begrenzt waren. Eine Berufsausbildung schien ihm eine  Möglichkeit, den Wunsch nach praktischer Arbeit mit seinen fachlichen Interessen zu verbinden: „Ich hatte schon immer eine hohe Affinität zu Technik.“ Er schrieb rund 50 Bewerbungen für Ausbildungsplätze in technischen Berufen – ohne Erfolg. Seine Ansprechpartnerin im Jobcenter vermittelte ihm ein Bewerbungsgespräch bei Kfz-Meister Günther Wilhelm in Barsinghausen.


Hohe Affinität zur Technik: Ulf (rechts) mit Meister Wilhelm.


Das Leben ist kein Ponyhof

Für Günter Wilhelm sind Lebensläufe nicht entscheidend. „Der Nasenfaktor ist wichtig.“ Der Kfz-Meister bildet seit 25 Jahren aus. Er hatte bereits einen Umschüler vom Jobcenter erfolgreich ausgebildet. Ältere Bewerber – für den Meister sogar eher ein Pluspunkt: „Die haben festgestellt: das Leben ist kein Ponyhof. Sie haben eine gewisse Reife und arbeiten gewissenhaft. Wir arbeiten schließlich mit fremdem Eigentum. Wenn eine Schraube nicht richtig angezogen ist, kann das böse Folgen haben.“ Der Nasenfaktor stimmte, der Rest auch. Zum 1. August hat Ulf eine Umschulung zum Kfz-Mechatroniker bei Günter Wilhelm angefangen.


Jedem eine Chance

Ansgar hat viele Jahre in ungelernten Tätigkeiten gearbeitet. Im Gespräch mit seiner persönlichen Ansprechpartnerin im Jobcenter kam das Gespräch auf eine Ausbildung. Die Mitarbeiterin des Jobcenters griff zum Telefon und fragte direkt bei Kfz-Meister Hans- Jürgen Dohrmann in Hannover an, ob Ansgar ein Praktikum in dessen Betrieb machen könne. Meister Dohrmann sagte zu. Nicht zum ersten Mal. „Ich komme aus einer großen Familie. Wir waren sieben Kinder. Deshalb meine ich, dass ich jedem eine Chance geben muss“, sagt der 67-jährige, der seit 30 Jahren im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer sitzt. Allein aus seinem Betrieb sind zwölf Meister und zwei Diplom-Ingenieure hervorgegangen. Lebensältere Azubis haben durchaus Vorteile, sagt auch Meister Jan Odebrecht, designierter Nachfolger im Betrieb. „Man muss sich dreckig machen. Das haben viele Jugendliche nicht auf dem Schirm.“


Harte Schule, super Team: Ansgar (rechts) mit Gesellin Sonja, Meister Odebrecht (2.v.links) und Meister Dohrmann.


Eine harte Schule

Ab dem 1. August macht Ansgar die Umschulung zum Kfz-Mechatroniker mit Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik. Er wird später einmal auch Autos mit Hybrid- oder Elektroantrieb reparieren können. Ein Job mit Zukunft. Vor allem aber freut sich Ansgar darüber, dass er in einem tollen Betrieb gelandet ist. „Es gefällt mir super, auch, wie die Kollegen mit einem umspringen. Ich fühle mich super aufgehoben!“ Gesellin Sonja hat Ansgar bereits unter ihre Fittiche genommen. Auch sie ist mal über das Jobcenter gekommen. Da war die alleinerziehende Mutter 27. Geschenkt bekam sie im Betrieb nichts: „Man geht hier durch eine harte Schule“, sagt die Gesellin. Aber es zahlt sich offenbar aus. Ihre Umschulung im Betrieb hat sie mit Auszeichnung bestanden.


Das Jobcenter kann unterstützen

„Wer über das Jobcenter kommt, muss nicht in Watte gepackt werden“, betont auch Rainer Göbel. „Diese Bewerberinnen und Bewerber haben gelernt, wie schwierig es heutzutage ohne Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt ist. Mit ihren Erfahrungen und ihrer Leistungsbereitschaft sind sie ein Gewinn für die Unternehmen.“ Das Jobcenter Region Hannover kann Leistungsberechtigte unterstützen, einen Berufsabschluss zu erlangen, wenn die Fördervoraussetzungen gegeben sind. Eine Möglichkeit der Förderung ist die betriebliche Einzelumschulung. „Meine Bitte an die Betriebe: rufen Sie uns an! Lassen Sie sich von uns beraten!“

Wenn Sie als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber eine Ausbildung oder Umschulung anbieten möchten, finden Sie die Ansprechpartner im Jobcenter hier.

Den Informationsflyer zur betrieblichen Einzelumschulung finden Sie hier.
Den Informationslyer zu Ausbildung und Umschulung in Teilzeit finden Sie hier.

Text und Bilder: Lasko Werner