10. April 2017

Jobcenter veröffentlicht Arbeitsmarktprogramm für 2017

Reduzierung der Finanzen trifft auch Eingliederungsmaßnahmen für Langzeitarbeitslose

Fast 19.000 Bezieher von Arbeitslosengeld II in der Region Hannover haben 2016 eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Die Hälfte von ihnen hatte mindestens zwei Jahre Leistungen vom Jobcenter bezogen. Entgegen der ursprünglichen Planungen verfügt das Jobcenter Region Hannover in 2017 über deutlich weniger Finanzmittel für Eingliederungsmaßnahmen als im Vorjahr. Das Jobcenter musste das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm für 2017 entsprechend anpassen.

„Das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Jobcenter haben auch 2016 gute Arbeit geleistet. Es gibt aber noch viel zu tun“, sagt Erwin Jordan, Vorsitzender der Trägerversammlung des Jobcenters Region Hannover. „Nach immer haben wir 56.000 Langzeitbezieher in der Region. Der Förderbedarf bei diesen Menschen steigt. Wenn wir die gute Entwicklung aus 2016 halten wollen, brauchen wir in diesem Jahr dazu ausreichend finanziellen Mittel.“

Die Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt in der Region Hannover sind gut. „Der Bedarf an Arbeitskräften ist weiterhin hoch. Wir hatten 2016 deutlich mehr freie Stellen als im Vorjahr“, sagt Heike Döpke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hannover. Die Nachfrage nach Arbeitskräften wirkt sich auch im Jobcenter Region Hannover aus. Fast 19.000 Bezieher von Arbeitslosengeld II haben im vergangenen Jahr eine Arbeit gefunden. Die Hälfte von ihnen waren Langzeitbezieher, also zwei Jahre und länger auf Grundsicherung angewiesen.

„Diesen Erfolg gab es nicht zum Nulltarif“, sagt Michael Stier, Geschäftsführer des Jobcenters Region Hannover. „Wir haben im letzten Jahr 22.000 Eintritte in Maßnahmen gefördert, vom Praktikum bis zur Umschulung mit Berufsabschluss. Zum anderen haben wir gemeinsam mit unseren beiden Trägern in den letzten Jahren viele neue Mitarbeiter eingestellt, um Arbeitsuchende und Arbeitgeber noch intensiver zu beraten.“ Seit Januar 2016 kümmert sich auch ein zusätzlicher Standort um die Angelegenheiten der anerkannten Flüchtlinge.

„Die Menschen in der Region, die auf Leistungen vom Jobcenter angewiesen sind, brauchen enge Begleitung und kurze Wege. Wir benötigen dafür qualifiziertes Personal und eine gute Infrastruktur. Das kostet Geld“, sagt Erwin Jordan. Doch hieran fehle es dem Jobcenter: „Der Haushalt für das Jobcenter ist seit Anfang an nicht auskömmlich. Er berücksichtigt nicht die Kostensteigerungen bei Personal, bei der Infrastruktur und der Technik. Das haben wir an verantwortlicher Stelle kundgetan.“

Auch 2017 muss das Jobcenter zur Deckung der Verwaltungskosten auf Mittel zurückgreifen, die für Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration vorgesehen sind. „In den letzten Jahren war das unproblematisch. Wir hatten ausreichend finanzielle Mittel, um den Leistungsberechtigten alle notwendige Unterstützung zu bieten“, sagt Michael Stier. „In 2017 stehen wir zum ersten Mal vor der Herausforderung, dass wir nicht alles realisieren können, was wir für erforderlich halten.“

Für 2017 hat das Jobcenter 7,5 Millionen Euro weniger als ursprünglich erwartet. Deshalb musste das Jobcenter das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm für 2017 anpassen. Statt fast 22.000 Eintritte in Maßnahmen wie letztes Jahr kann das Jobcenter nur noch 16.600 anbieten, fast ein Viertel weniger. Maßnahmen richten sich vor allem an Menschen, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt ungünstig sind: Alleinerziehende, Flüchtlinge, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Jugendliche.

Die Reduzierung der Maßnahmen betrifft fast alle diese Zielgruppen, mit einer Ausnahme: die Zahl der Angebote für Jugendliche unter 25 Jahren bleibt stabil. Ebenfalls stabil bleibt die Zahl der Weiterbildungsmaßnahmen, die zu einem Berufsabschluss führen. Bei allen anderen Maßnahmen muss das Jobcenter Abstriche machen. Arbeitsgelegenheiten für Langzeitarbeitslose sind ebenso betroffen wie Maßnahmen für Flüchtlinge. „In einigen Fällen müssen wir den Beginn von Maßnahmen zeitlich verschieben. Uns bleiben andere Möglichkeiten, um die Menschen zu unterstützen“, sagt Michael Stier. „In den letzten Jahren haben wir erkannt, dass eine enge Beratung im Jobcenter die Chancen der Arbeitsuchenden verbessert. Wir setzen noch stärker auf Maßnahmen direkt in den Betrieben, zum Beispiel durch Praktika. Außerdem erhalten wir weiterhin Mittel zur Förderung von Langzeitarbeitslosen aus Bundesprogrammen.“

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenter werden auch 2017 die Menschen bei der Arbeitssuche unterstützen können“, sagt Heike Döpke. „Was zur Aufnahme einer Arbeit notwendig ist, wird das Jobcenter weiterhin fördern.“


Das Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm für 2017 finden Sie hier.

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